18 April 2026, 06:32

Wie Joseph Beuys 1988 heimlich in die DDR kam

Plakat für die 49. Jahresausstellung von amerikanischen Malereien und Skulpturen des Art Institute of Chicago, das Text und verwandte Bilder zeigt.

Wie Joseph Beuys 1988 heimlich in die DDR kam

1988 zeigte die DDR ihre erste und einzige Ausstellung mit Werken von Joseph Beuys – Jahre nach dem Tod des Künstlers. Unter dem Titel "Beuys vor Beuys" handelte es sich um ein seltenes Zugeständnis der Kulturbehörden der DDR. Jahrzehntelang war Beuys als "unerwünschte Person" nach sozialistischem Verständnis gebrandmarkt worden, doch sein Einfluss ließ sich nicht länger ignorieren.

Die Schau eröffnete Mitte Januar 1988 im Berliner Marstall, bevor sie im Mai an die Hochschule für Grafik und Buchkunst nach Leipzig weiterzog. Gezeigt wurden 216 frühe Werke aus der Sammlung van der Grinten, die zwischen 1946 und 1966 entstanden waren. Trotz des Fokus auf Beuys' prägende Jahre vermieden die Veranstalter bewusst jeden Hinweis auf seine spätere Rolle als gesellschaftlich engagierter Künstler oder Demokrat.

Die Verhandlungen, die Ausstellung in die DDR zu holen, hatten Monate zuvor begonnen. Manfred Wekwerth, Präsident der Akademie der Künste, hatte der SED-Führung bereits die Bedeutung Beuys' signalisiert. Sein Tod 1986 hatte den Druck nicht verringert, sein kulturelles Gewicht anzuerkennen – selbst in einem System, das ihn lange abgelehnt hatte.

Vier Monate lang bot "Beuys vor Beuys" dem DDR-Publikum einen begrenzten, aber beispiellosen Einblick in das frühe Schaffen des Künstlers. Zwar wurden seine politischen und demokratischen Themen ausgeklammert, doch allein die Existenz der Ausstellung spiegelte einen vorsichtigen Wandel in der Kulturpolitik der DDR wider. Zum ersten Mal drang Beuys' Werk in die Öffentlichkeit eines Staates vor, der ihn einst verbannt hatte.

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