Prozess um Mord an Ahmaud Arbery beginnt – ein Fall, der die USA erschütterte
Silvester SeipProzess um Mord an Ahmaud Arbery beginnt – ein Fall, der die USA erschütterte
In Glynn County hat der Prozess gegen drei weiße Männer begonnen, die des Mordes am schwarzen Jogger Ahmaud Arbery angeklagt sind. Gregory und Travis McMichael sowie ihr Nachbar William Bryan müssen sich seit dem Tod Arberys im Februar 2020 vor Gericht verantworten. Der Fall löste landesweite Empörung aus und wurde zu einem Symbol für die Auseinandersetzung mit rassistischer Ungerechtigkeit in den USA in jenem Jahr.
Gregory McMichael, ein ehemaliger Ermittler der örtlichen Staatsanwaltschaft, und sein Sohn Travis gaben gegenüber der Polizei an, Arbery mit einem Pick-up verfolgt zu haben. Sie behaupteten, sie hätten ihn der Beteiligung an jüngsten Einbrüchen verdächtigt. Bryan schloss sich ihnen an und filmte die Schüsse mit seinem Handy. Erst im Mai 2020 – nach der Veröffentlichung des Videos, das offenbar zeigt, wie Travis McMichael Arbery mit einer Schrotflinte erschießt – wurden die Männer festgenommen.
Am Tag der Verhaftungen veröffentlichten 29 lokale religiöse und zivilgesellschaftliche Führungspersönlichkeiten, darunter sechs episcopale Priester, eine Erklärung. Sie bezeichneten Arberys Tod als tragischen und sinnlosen Verlust eines Menschenlebens. Seither wurde die Bezirksstaatsanwältin, deren Umgang mit dem Fall kritisiert worden war, durch die Wähler abgelöst.
Als Reaktion auf die Tat gründete sich die interreligiöse Gruppe Glynn Clergy for Equity. Mittlerweile zählen etwa 75 Geistliche zu ihren Mitgliedern. Seit Beginn der Geschworenenauswahl am 18. Oktober versammeln sie sich vor dem Gerichtsgebäude. Pfarrer DeWayne Cope, Rektor der episcopalischen St.-Athanasius-Kirche, betonte, die Gruppe wolle Solidarität zeigen. Auch Diakonin Willetta McGowen von der St.-Markus-Episcopal-Kirche nimmt teil, um Arberys Familie zu unterstützen. Der Prozess soll voraussichtlich zwei Wochen dauern.
Derweil läuft das Verfahren gegen die McMichaels und Bryan. Örtliche Religionsvertreter halten weiterhin täglich Mahnwachen vor dem Gericht ab. Der Fall bleibt ein zentraler Bezugspunkt in den anhaltenden Debatten über rassistische Ungerechtigkeit und Selbstjustiz in den USA.
