18 April 2026, 08:31

Dresdner Obergraben-Presse: Wie eine Druckerei zum heimlichen Kunstzentrum der DDR wurde

Ein detailliertes Skizzenbild des Schlosshof-Gebäudes in Dresden, Deutschland, das zahlreiche Fenster und Statuen an seiner Fassade zeigt, gezeichnet auf einem Papier mit sichtbarem Text.

Dresdner Obergraben-Presse: Wie eine Druckerei zum heimlichen Kunstzentrum der DDR wurde

In den 1970er-Jahren verwandelte eine Gruppe von Künstlern in Dresden eine alte Druckerei in ein kreatives Zentrum. Die Dresdner Obergraben-Presse begann als Werkstatt, Verlag und Galerie – alles unter einem Dach. Zu ihren Gründern zählten Maler, Grafiker und Schriftsteller, die über die staatlich genehmigten Projekte hinaus Grenzen überschreiten wollten.

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Das Projekt nahm Gestalt an, nachdem Eberhard Göschel 1978 in ein größeres Atelier umgezogen war. Seine alte Dreizimmerwohnung wurde zu einem Experimentierraum. Zur gleichen Zeit besaß Peter Herrmann eine seltene italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die Bernhard Theilmann restauriert hatte. Diese Maschine wurde zum Herzstück der Werkstatt.

Sowohl Göschel als auch Herrmann waren seit Jahren in der Dresdner Kunstszene aktiv. Seit 1976 gehörten sie der Arbeitsgruppe im Leonhardi-Museum an. Jochen Lorenz, eine weitere Schlüsselfigur, strebte nach mehr als Routineaufträgen wie dem Druck von Fahrplänen für die Staatsbahn. Die Gruppe suchte nach ambitionierten, unabhängigen Projekten.

Zu ihrem Kreis zählte auch A.R. Penck, der damals seine einflussreiche Theorie Vom Untergrund zum Obergrund entwickelte. Bereits 1971 hatte Penck die Künstlergruppe Lücke mitgegründet, die sich 1976 auflöste. Die Obergraben-Presse entstand als neue Plattform für ähnliche Ideen und verband Druckkunst, Verlagswesen und Ausstellungen unter einem kollektiven Dach.

Die Dresdner Obergraben-Presse wurde zu einem seltenen unabhängigen Ort in der DDR. Sie verband traditionelle Drucktechniken mit avantgardistischer Kunst und bot Künstlern die Möglichkeit, außerhalb offizieller Kanäle zu arbeiten. Ihr Erbe steht für eine Phase des stillen Widerstands und der kreativen Freiheit in einem streng kontrollierten Kulturbetrieb.

Quelle