Tarifstreit in Chemie- und Pharmabranche: Verhandlungen pausieren in der Krise
Goran BolnbachTarifstreit in Chemie- und Pharmabranche: Verhandlungen pausieren in der Krise
Tarifverhandlungen in Deutschlands Chemie- und Pharmabranche nach zwei intensiven Tagen unterbrochen
Die Lohnverhandlungen für die chemische und pharmazeutische Industrie in Deutschland sind nach zwei Tagen harter Gespräche pausiert worden. Die Verhandlungen, die 1.700 Unternehmen und 585.000 Beschäftigte betreffen, stecken in einer Sackgasse – die tiefe Krise der Branche wirft die Frage auf, wie sie bewältigt werden soll. Arbeitgeber und Gewerkschaften bleiben uneins über Lösungswege, während die Produktion weiter einbricht.
Die Industrie leidet seit Jahren unter einem anhaltenden Rückgang: Seit 2018 ist die Produktion reiner Chemikalien um 17 Prozent gesunken, in der Pharmabranche um 16 Prozent. Zwar gab es 2024 ein leichtes Plus von 2 Prozent, doch die Kapazitätsauslastung liegt weiterhin bei nur 75 Prozent – und die Prognosen sind düster: Für 2025 wird ein weiterer Rückgang um 3,3 Prozent erwartet. Mittlerweile steht jedes vierte Werk still, ein alarmierendes Zeichen für den strukturellen Niedergang Deutschlands als größtem Chemiestandort Europas.
Matthias Bürk, Verhandlungsführer der Arbeitgebervereinigung BAVC, bezeichnete die Lage als "dramatisch". Arbeitsplatzsicherheit lasse sich nicht per Dekret verordnen, sondern hänge davon ab, die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, argumentierte er. Die Unternehmen bräuchten eine Atempause bei den Lohnforderungen, um sich zu stabilisieren und neu aufzustellen. Die Branche habe massive Verluste erlitten – Gewinne, die verteilt werden könnten, gebe es schlicht nicht.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hingegen pocht auf verbindliche Tarifvereinbarungen, die über Lohnerhöhungen hinaus auch den Erhalt von Arbeitsplätzen sichern. Ihr Fokus liegt auf einer gerechten Verteilung der Lasten in der Krise. Bürk entgegnete, der beste Schutz für Beschäftigung sei ein dringend notwendiger Plan, um die Stärke des Sektors zurückzugewinnen.
Die Verhandlungen werden am 23. und 24. Februar in Wiesbaden fortgesetzt.
Die Gespräche spiegeln den größeren Kampf der deutschen Chemieindustrie wider, sich nach Jahren des Niedergangs zu erholen. Mit historisch niedriger Produktion und ohne Aussicht auf eine schnelle Besserung müssen beide Seiten nun einen Kompromiss finden. Das Ergebnis wird die Zukunft Hunderttausender Arbeitsplätze in einem für die Wirtschaft entscheidenden Sektor prägen.






