Syriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung auf Wandel oder neue Risiken?
Antoinette HettnerSyriens Übergangspräsident in Berlin: Hoffnung auf Wandel oder neue Risiken?
Syriens kommissarischer Präsident Ahmed al-Scharaa ist in Berlin eingetroffen, um über die Zukunft des Landes nach dem Sturz von Baschar al-Assad im Dezember 2024 zu beraten. Deutsche Regierungsvertreter signalisierten vorsichtige Unterstützung für den demokratischen Wandel in Syrien, doch zivilgesellschaftliche Organisationen fordern stärkere Garantien für Menschenrechte und die Einbindung lokaler Akteure in den Wiederaufbau.
Außenminister Johann Wadephul traf al-Scharaa und sagte finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau zu. "Wir stehen an der Seite Syriens", erklärte er. Der Besuch markiert einen entscheidenden Moment für Syrien, das nach Jahren des Konflikts den Wiederaufbau vorantreibt. Dennoch bleiben Bedenken hinsichtlich der Ausrichtung der Übergangsregierung.
Sophie Bischoff, Mitvorsitzende der deutsch-syrischen Menschenrechtsorganisation Adopt a Revolution, nannte die Einladung nach Berlin "einen richtigen Schritt", warnte jedoch vor wachsenden autoritären Tendenzen, die den fragilen Fortschritt Syriens gefährdeten. Gleichzeitig kritisierte sie Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, deutsche Unterstützung an die Wiederaufnahme von Abschiebungsabkommen statt an demokratische Reformen zu knüpfen.
Farhad Ahma vom syrischen Kulturzentrum PEL-Civil Waves argumentierte, dass Berlins Dialog mit al-Scharaas Regierung das Risiko berge, lokale Gemeinschaften zu übergehen. Er betonte, die Syrer seien "der Freiheit näher als je zuvor", bräuchten aber internationale Unterstützung, um echten Wandel zu sichern. Adopt a Revolution fordert unterdessen bessere rechtliche Absicherungen für Syrer in Deutschland und pocht auf die Beteiligung der Zivilgesellschaft an den Wiederaufbauplänen.
Die EU fördert weiterhin über die GIZ Projekte in Syrien, mit Schwerpunkt auf Rechtsstaatlichkeit, Gesundheitswesen und Friedensförderung. Bisher haben sich jedoch keine weiteren Länder öffentlich zu demokratischen Reformen oder zum Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen im Land bekannt.
Deutschlands Hilfszusage an Syrien ist mit Forderungen nach demokratischen Sicherungsmechanismen verbunden. Während al-Scharaas Besuch einen möglichen Wendepunkt andeutet, drängen zivilgesellschaftliche Gruppen auf konkrete Schritte, um Rückschritte zu verhindern. Die Handlungen der Übergangsregierung in den kommenden Monaten werden zeigen, ob Syrien auf dem Weg zu nachhaltigen Reformen oder in eine tiefere Repression steuert.






