Revolution in der Graphitverarbeitung: Europa setzt auf saubere und nachhaltige Methoden
Antoinette HettnerRevolution in der Graphitverarbeitung: Europa setzt auf saubere und nachhaltige Methoden
Ein neues Projekt im Wert von 1,7 Millionen Euro soll die Graphitverarbeitung in Europa mit saubereren und nachhaltigeren Methoden revolutionieren. Unter der Leitung der Friedrich-Schiller-Universität Jena und gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) vereint die Initiative Partner aus Industrie und Forschung, um den Einsatz gefährlicher Chemikalien zu reduzieren und den Energieverbrauch zu senken. Das auf drei Jahre angelegte Vorhaben zielt darauf ab, eine vollständig europäisch kontrollierte Lieferkette für batterietaugliches Graphit aufzubauen.
Im Rahmen des USE-G-Projekts werden zunächst natürliches und recyceltes Graphit getrennt verarbeitet. Dieser Schritt dient dazu, klare Maßstäbe für Reinheit und Leistung zu definieren, bevor ein kombinierter Ansatz erprobt wird. Später plant das Team, beide Materialien zu einem einzigen Anodenprodukt zu vereinen – eine komplett in Europa hergestellte Lösung.
Northern Graphite wird natürliches Graphit liefern und sich um die Mahlung, Formgebung sowie Batterietests kümmern. Gleichzeitig arbeitet H.C. Starck Tungsten GmbH daran, Graphit aus der sogenannten "Black Mass" – dem Rückstand aus dem Batterierecycling – zurückzugewinnen und wieder in die Produktion einzugliedern. Rain Carbon Germany GmbH steuert ihr Know-how bei, indem sie nachhaltige Kohlenstoffbeschichtungen entwickelt, um die elektrochemische Leistung von Graphitanoden zu verbessern.
Im Mittelpunkt der Forschung steht ein neues Reinigungsverfahren unter der Leitung von Dr. Martin Oschatz. Sein Team erprobt eine chlorbasierte Hochtemperatur-Reinigung als sichere Alternative zu Flusssäure, einer gängigen, aber hochgiftigen Chemikalie. Sämtliche Arbeiten finden an deutschen Standorten statt, was einen lokalisierten und kontrollierten Prozess gewährleistet.
Gelingt das Projekt, könnte es den Weg für eine nachhaltigere und unabhängige Graphitversorgung in Europa ebnen. Durch den Verzicht auf schädliche Substanzen und die Senkung des Energiebedarfs will die Initiative neue Branchenstandards setzen. Bewähren sich die entwickelten Methoden, könnten sie die Graphitverarbeitung für Batterien und andere Anwendungen grundlegend verändern.






