Rekord-Cannabis-Beschlagnahmungen 2023: Steigt der Schwarzmarkt trotz Teillegalisierung?
Goran BolnbachRekord-Cannabis-Beschlagnahmungen 2023: Steigt der Schwarzmarkt trotz Teillegalisierung?
Deutschland beschlagnahmte 2023 Rekordmengen an Cannabis – doch was bedeutet das?
Im vergangenen Jahr setzte Deutschland einen neuen Rekord bei der Beschlagnahmung von Cannabis: Die Behörden konfiszierten so viel wie nie zuvor. Der starke Anstieg der Sicherstellungen wirft Fragen auf, wie sich die Teillegalisierung auf den Schwarzmarkt auswirkt. Behördenvertreter und Forscher bewerten die Zahlen jedoch unterschiedlich.
Laut Angaben von Polizei und Zoll wurden 2024 gemeinsam rund 24 Tonnen Cannabis beschlagnahmt. Der Zoll allein verzeichnete über 50 Tonnen – ein deutlicher Anstieg. Untersuchungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung deuten darauf hin, dass veränderte Schmuggelrouten eine zentrale Rolle bei dieser Entwicklung spielen.
Sicherheitsbehörden argumentieren, der Anstieg der Beschlagnahmungen belege eine Ausweitung des Schwarzmarkts seit der teilweisen Legalisierung. Die Politik habe den illegalen Handel unbeabsichtigt angeheizt. Gleichzeitig sind die Einfuhren von medizinischem Cannabis deutlich gestiegen, was auf eine höhere legale Nachfrage hindeutet.
Jakob Manthey, Forscher am Zentrum für Interdisziplinäre Suchtforschung, widerspricht dieser Einschätzung. Seiner Ansicht nach ist die Nachfrage nach illegalem Cannabis seit der Teillegalisierung sogar gesunken. Wissenschaftliche Studien zeigen zudem, dass der Konsum trotz der Rekordbeschlagnahmungen nicht signifikant angestiegen ist.
Während die Behörden den Anstieg mit einem stärkeren Schwarzmarkt in Verbindung bringen, verweisen Forscher auf eine stabile Konsumentennachfrage und eine rückläufige illegale Nachfrage. Die widersprüchlichen Deutungen lassen die langfristigen Auswirkungen der neuen Regelungen weiterhin unklar – die Debatte über die Cannabispolitik geht weiter.






