Reichelt-Prozess zieht sich bis 2026: NDR kämpft um unzensierte Berichte
Antoinette HettnerReichelt-Prozess zieht sich bis 2026: NDR kämpft um unzensierte Berichte
Der Rechtsstreit um die Vorwürfe gegen den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird sich voraussichtlich bis 2026 hinziehen. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) drängt auf eine vollständige Verhandlung, um die zensierten Passagen seiner Berichterstattung wiederherzustellen. Im Mittelpunkt des Falls stehen Vorwürfe des Machtmissbrauchs und unangemessener Beziehungen zu Untergebenen.
Reichelt weist die Anschuldigungen seit jeher zurück. Er behauptet, Ziel einer koordinierten politischen Kampagne zu sein.
Die Kontroverse begann im Februar 2023, als das ARD-Format Reschke Fernsehen einen Bericht über Fehlverhalten Reichelts bei Bild ausstrahlte. Die Sendung warf ihm vor, Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt und seine Position ausgenutzt zu haben. Kurz darauf erwirkte Reichelt eine einstweilige Verfügung, die die ARD zwang, zentrale Abschnitte der Ausstrahlung zu schwärzen. Der ursprüngliche Bericht ist nicht mehr in der ARD-Mediathek verfügbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist.
Eine spätere Untersuchung des Stern ergab, dass sich die Vorwürfe einer Frau nicht bestätigen ließen. Eine andere Anklägerin behauptet jedoch, Reichelt habe sie zu einer Beziehung genötigt, und der NDR plant nun, sie als Zeugin zu laden. Unklar bleibt weiterhin, wie viele Affären es gab und ob tatsächlich Zwang ausgeübt wurde.
Die anstehenden Verfahren könnten für den Bild-Verlag Axel Springer unangenehme Folgen haben. Einige Frauen, die sich geäußert hatten, sollen berufliche Nachteile erlitten haben. Eine öffentliche Zeugenbefragung könnte diese Missstände ans Licht bringen.
Mit einem Abschluss des Verfahrens wird im Frühjahr 2026 gerechnet, wenn ein Gericht die offenen Fragen endlich klären könnte. Der NDR setzt sich für eine vollständige Aufarbeitung ein, um die geschwärzten Teile seiner Berichterstattung wiederherzustellen. Das Ergebnis könnte die langjährigen Vorwürfe gegen Reichelt aufklären – und die Auswirkungen auf die Betroffenen.






