Fracking-Debatte in Deutschland: Wirtschaft drängt, Umwelt warnt vor Risiken
Antoinette HettnerFracking-Debatte in Deutschland: Wirtschaft drängt, Umwelt warnt vor Risiken
In Deutschland ist die Debatte über Fracking neu entfacht, nachdem Forderungen laut wurden, das Moratorium für unkonventionelle Fördermethoden aufzuheben. Das Land verfügt derzeit über mehr als 350 konventionelle Fracking-Standorte, die 140 Bohrlöcher versorgen – doch die Förderung geht zurück. Gleichzeitig prägen Umweltbedenken und politische Gräben weiterhin die Diskussion über die künftige Energiepolitik.
Beim Fracking werden Wasser, Chemikalien und Sand unter hohem Druck in den Untergrund gepumpt, um eingeschlossenes Gas oder Öl freizusetzen. Diese Technik wird in Deutschland seit Jahrzehnten eingesetzt; allein 2020 wurden so 7,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Umweltverbände bringen das Verfahren jedoch mit Leckagen, leichten Erdbeben und Gesundheitsrisiken für Anwohner in Verbindung.
2016 erlaubte Deutschland konventionelles Fracking, verbot aber unkonventionelle Methoden wie die Schiefergasförderung – zunächst bis mindestens 2021. Das Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe schätzt, dass noch bis zu 800 Milliarden Kubikmeter Schiefergas gewonnen werden könnten. Nach geltendem Recht dürfen zwar bis zu vier experimentelle unkonventionelle Bohrungen vorgenommen werden, allerdings nur mit Zustimmung der Länder und unter Aufsicht einer unabhängigen Kommission.
Nun fordert Bernd Althusmann, Wirtschaftsminister von Niedersachsen, die Aufhebung des Moratoriums für unkonventionelles Fracking. Die grüne Bundestagsabgeordnete Dr. Julia Verlinden warnte jedoch, die Einsetzung einer Prüfkommission könnte als Signal für eine vollständige Aufhebung des Verbots gewertet werden. Kritiker verweisen zudem auf Methanlecks durch Fracking, die den Treibhauseffekt verschärfen.
Die Zukunft des Fracking in Deutschland bleibt ungewiss: Der politische Druck zur Ausweitung der Förderung steht im Konflikt mit Umwelt- und Sicherheitsbedenken. Eine Wiederaufnahme unkonventioneller Methoden würde die Zustimmung der Bundesländer sowie strenge regulatorische Auflagen erfordern. Bis dahin läuft die konventionelle Förderung weiter – wenn auch mit sinkenden Erträgen.