26 April 2026, 12:44

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 und seine bis heute sichtbaren Folgen

Verlassenes Gebäude mit graffiti-bedeckten Wänden, sichtbarem Boden, freiliegenden Rohren und einer Tür im Hintergrund, das die urbane Verwahrlosung illustriert.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 und seine bis heute sichtbaren Folgen

Eine der schwersten Katastrophen Kölns ereignete sich 2009, als das Historische Archiv während U-Bahn-Bauarbeiten einstürzte. Bei dem Unglück wurden 1,7 Millionen historische Dokumente vernichtet, zwei Menschen kamen ums Leben. Die Folgen hinterließen tiefe Spuren – sowohl im Stadtbild als auch in juristischer Hinsicht.

Der Einsturz ereignete sich, als Arbeiter an der Nord-Süd-U-Bahn-Linie gruben. Kritische Stahlträger waren zuvor gestohlen und als Schrott verkauft worden, was die Statik des Gebäudes schwächte. Als sich ein Grundwasserkrater auftat, stürzte das Archiv ein und beschädigte benachbarte Häuser. Zwei junge Männer in den angrenzenden Gebäuden verloren ihr Leben.

Rettungskräfte verbrachten Monate damit, Papierschnipsel zu bergen und in 20 Notarchiven zu sortieren. Einige Dokumente wurden erst 2011 geborgen. Die Katastrophe ließ zudem den Turm der Kirche St. Johann Baptist absacken – fortan als "Kölner Schiefer Turm" bekannt.

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Die juristischen Auseinandersetzungen zogen sich über Jahre hin, mit widersprüchlichen Urteilen und Verzögerungen. Erst 2024 kam es zu einem Vergleich. Währenddessen blieb die Baustelle unvollendet – 2023 wurde sie nur teilweise mit Beton verfüllt. Heute präsentiert sie sich als eine Landschaft aus Sandhügeln und wildem Gestrüpp.

Die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB), obwohl ohne Erfahrung in solchen Projekten, hatten die Bauaufsicht inne. Die Aktivistengruppe ArchivKomplex setzt sich seitdem für eine Mitsprache bei der Neugestaltung und ein würdevolles Mahnmal ein. Nun wird der provisorische Beton entfernt, um die U-Bahn-Arbeiten fortzusetzen – mit dem Ziel, die Fahrzeit um acht Minuten zu verkürzen.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs bleibt eine der düstersten Stunden der Stadtgeschichte. Zwar sind die Rechtsstreitigkeiten beendet, doch die Narben am Ort des Geschehens sind noch immer sichtbar. Das U-Bahn-Projekt schreitet voran, doch die Folgen der Katastrophe für Geschichte und Infrastruktur wirken nach.

Quelle