CDU und AfD wählen gemeinsam stellvertretenden Bürgermeister in Biebesheim am Rhein
Birte SchülerCDU und AfD wählen gemeinsam stellvertretenden Bürgermeister in Biebesheim am Rhein
In Biebesheim am Rhein ist ein politischer Streit entbrannt, nachdem CDU- und AfD-Gemeinderäte gemeinsam einen stellvertretenden Bürgermeister gewählt haben. Durch das ungewöhnliche Bündnis sicherte sich der AfD-Kandidat Bernd Kahnert einen Sitz im Gemeindevorstand. Die hessische CDU-Spitze hat nun disziplinarische Maßnahmen gegen die Beteiligten eingeleitet.
Der Vorfall steht im Kontext wachsender Bedenken gegenüber der Zusammenarbeit zwischen etablierten Parteien und der AfD auf kommunaler Ebene in ganz Deutschland.
In Biebesheim am Rhein reichten CDU und AfD eine gemeinsame Kandidatenliste für die Wahl der ehrenamtlichen stellvertretenden Bürgermeister ein – eine direkte Herausforderung an den gemeinsamen Vorschlag von SPD, Grünen und Freien Wählern, die gemeinsam 17 der 31 Sitze im Gemeinderat halten. Die CDU (8 Sitze) und die AfD (6 Sitze) waren zunächst uneins, einigten sich später jedoch.
Ihre Kooperation führte zur Wahl von Bernd Kahnert (AfD) in den Gemeindevorstand. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Ulrich Harth hatte ursprünglich einen Posten für seine Partei angestrebt, doch die gemeinsame Abstimmung mit der AfD wurde von der CDU als "offensichtlich spontan und unabgestimmt" bezeichnet. Die Partei betonte, die Entscheidung stehe nicht zur Debatte.
Als Reaktion leitete der CDU-Kreisverband Groß-Gerau Ausschlussverfahren gegen Mitglieder ein, die die AfD-Liste unterstützt hatten. Der hessische CDU-Generalsekretär Leopold Born forderte "sofortiges und entschlossenes" Handeln. Kreisvorsitzender Stefan Sauer kündigte an, weitere Schritte zu prüfen.
Der Fall spiegelt einen bundesweiten Trend wider: Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) ergab, dass es in fast 19 Prozent von rund 5.000 Sachabstimmungen zwischen Mitte 2019 und Mitte 2024 auf kommunaler Ebene "direkte Zusammenarbeit" zwischen anderen Parteien und der AfD gab.
Mit den disziplinarischen Maßnahmen setzt die CDU in Biebesheim am Rhein ein klares Zeichen gegen die Kooperation mit der AfD. Die Ausschlussverfahren richten sich gegen Mitglieder, die gegen die Parteilinie verstoßen haben, indem sie die gemeinsame Liste unterstützten. Die Wahl Kahnerts in den Gemeindevorstand bleibt jedoch bestehen.
Der Vorfall unterstreicht die anhaltenden Spannungen um überparteiliche Allianzen in der Kommunalpolitik.






