BVVA fordert radikale Apothekenreform gegen Bürokratie und Rückforderungen
Goran BolnbachBVVA fordert radikale Apothekenreform gegen Bürokratie und Rückforderungen
Der Bundesverband der Versorgungsapotheker (BVVA) fordert umfassende Reformen im deutschen Apothekensektor. Aktuelle Gesetzesänderungen haben die finanziellen Rückforderungen bei zuschussfreien Rezepten erhöht und belasten die Apotheken zusätzlich. Der BVVA kritisiert, dass die bisherigen Maßnahmen die Kernprobleme nicht lösen, und schlägt weitreichende Änderungen vor, um Bürokratie abzubauen und finanzielle Risiken zu verringern.
Seit den Änderungen des Sozialgesetzbuchs V (SGB V) für 2024/2025 sehen sich Apotheken einer deutlichen Zunahme von Rückforderungsansprüchen ausgesetzt. Berichte der ABDA und des Deutschen Apothekerverbands (DAV) zeigen einen Anstieg der Fälle um 20–30 Prozent, wobei die einzelnen Forderungen im Schnitt zwischen 500 und 2.000 Euro liegen. Diese Streitfälle verursachen einen erheblichen Verwaltungsaufwand, da Apotheken unberechtigte Forderungen oft nur durch Widersprüche oder Klagen abwehren können – selbst wenn Patienten dadurch keine Nachteile entstehen.
Der BVVA besteht auf eine grundlegende Reform des Systems. Er schlägt vor, dass die Krankenkassen die Zuzahlungen direkt einziehen, um Apotheken aus diesem Prozess herauszunehmen. Zudem fordert der Verband bundesweit einheitliche Preise für apothekenpflichtige Hilfsmittel, die zwischen dem GKV-Spitzenverband und der Bundesapothekerkammer ausgehandelt werden. Dies würde nach Ansicht des BVVA Bürokratie abbauen und Preisstreitigkeiten vermeiden.
Um den Betriebsdruck zu verringern, regt der BVVA an, verpflichtende Schulungen und spezielle Personalvorgaben zu reduzieren. Zudem unterstützt er die Einführung einer "Apotheken-GmbH". Dieses Modell würde jüngeren Apothekern ermöglichen, schrittweise Führungsverantwortung mit begrenzter finanzieller Haftung zu übernehmen und so die Attraktivität von öffentlichen Apotheken steigern. Auch Teilzeitkräfte könnten so leichter in Leitungsfunktionen aufrücken und die Apothekenführung mitgestalten.
Bei den Rezeptregelungen plädiert der BVVA für eine Vereinfachung der Gültigkeitsfristen: Standardrezepte sollten einheitlich einen Monat gültig sein, andere müssten innerhalb einer Woche eingereicht werden. Ziel ist es, Arbeitsabläufe zu optimieren und Fehler zu reduzieren, die durch unklare Fristen entstehen.
Die Vorschläge des BVVA zielen darauf ab, Bürokratie abzubauen, finanzielle Risiken zu senken und die Arbeit in Apotheken nachhaltiger zu gestalten. Bei Umsetzung würden die Reformen die Zuzahlungsabwicklung auf die Krankenkassen verlagern, die Preise standardisieren und klarere Regeln für die Rezeptabwicklung schaffen. Apotheker erhielten zudem durch das GmbH-Modell flexiblere Karrierewege, was langfristig auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken könnte.






