Apothekerin nimmt Rabattgutscheine der Konkurrenz an – warum das ungewöhnlich ist
Silvester SeipApothekerin nimmt Rabattgutscheine der Konkurrenz an – warum das ungewöhnlich ist
Apothekerin in Steinbach am Wald akzeptiert Rabattgutscheine der Konkurrenz
Claudia Bauer, Inhaberin einer Apotheke in Steinbach am Wald, nimmt seit Kurzem Rabattcoupons von konkurrierenden Apotheken an. Mit dieser ungewöhnlichen Maßnahme will sie verhindern, dass Kunden wegen kleiner Ersparnisse woanders einkaufen. Bereits 2016 hatte der Bundesgerichtshof diese Praxis zwar als unüblich, aber rechtlich zulässig bestätigt.
Bauer führt die Apotheke seit 25 Jahren – nach ihrem Umzug aus Bonn hatte sie den Betrieb übernommen. Kürzlich kündigte sie die neue Regelung auf Facebook an und begründete sie damit, ihren Kunden unnötige Fahrten in andere Orte ersparen zu wollen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass große Apothekenketten und Onlinehändler die Preise für rezeptfreie Medikamente drücken und damit kleinere Apotheken unter Anpassungsdruck setzen.
Steinbach am Wald, eine ruhige Gemeinde in Bayern nahe dem Rennsteig-Wanderweg, spürt die wachsende Belastung für unabhängige Apotheken. Seit 2020 haben digitale Konkurrenz und Preissenkungen durch die AMNOG-Regelungen die Umsätze von Einzelhandelsapotheken um bis zu 15 Prozent schmälern können. Bauers Konzept sieht moderate Rabatte von etwa 20 Prozent vor, ergänzt durch kleine Aufmerksamkeiten wie Taschentuchpackungen, um die Kundenbindung zu stärken.
Obwohl Bauer das gute Verhältnis zu Kollegen in der Region betont, kritisiert sie überzogene Rabattaktionen einiger Mitbewerber. Ihr Ansatz zielt auf Ausgewogenheit: faire Preise bei gleichzeitiger Wirtschaftlichkeit. Parallel stellt sie aktiv neues Personal ein, darunter Apotheker und Pharmazeutisch-technische Assistenten, um ihr Team zu verstärken.
Die Initiative unterstreicht Bauers langjähriges Engagement für ihre Gemeinde und den Erhalt ihrer Apotheke. Indem sie die Angebote der Konkurrenz annimmt, will sie lokale Kunden halten – ohne sich auf aggressive Preiskämpfe einzulassen. Gleichzeitig zeigt der Schritt die Herausforderungen auf, vor denen unabhängige Apotheken in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt stehen.






