"Wir wollten frei sein": Ein DDR-Dissident kämpft gegen Stasi und Unrecht
Goran Bolnbach"Wir wollten frei sein": Ein DDR-Dissident kämpft gegen Stasi und Unrecht
Ein neues Memoir von Peter Niebergall wirft Licht auf das Leben unter dem repressiven Regime der DDR."Wir wollten frei sein" schildert seine Kämpfe als Dissident – von Verhaftungen und Haft bis hin zu seinem späteren Kampf um Freiheit. Das Buch beschreibt zudem die juristischen Konsequenzen für einen der Verantwortlichen seiner Verfolgung.
Niebergalls Widerstand gegen die DDR begann nach der Niederschlagung des Prager Frühlings durch die Sowjetunion 1968. Die brutale Unterdrückung radikalisierte ihn gegen die kommunistische Herrschaft. Er verbreitete verbotene Literatur, organisierte geheime Diskussionsrunden und beteiligte sich an Protesten wie den Leipziger Demonstrationen von 1977.
Sein Engagement führte zu wiederholten Konflikten mit der Stasi. 1983 beantragten er und seine Frau Heidi die Ausreise in die Bundesrepublik. Noch vor ihrer Abreise wurden sie am 6. August gemeinsam mit anderen Bürgerrechtlern verhaftet. Ein Monat später verurteilte das Bezirksgericht Berlin-Pankow Niebergall wegen "staatsfeindlicher Hetze" zu einem Jahr und zwei Monaten Haft.
Ankläger war Ekkehard Kaul, ein Staatsanwalt der DDR. Jahre nach der Wiedervereinigung musste sich auch er vor Gericht verantworten. Am 20. November 1998 verurteilte das Landgericht Berlin Kaul wegen Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung zu einer Strafe von einem Jahr und drei Monaten.
"Wir wollten frei sein" dokumentiert die systematischen Menschenrechtsverletzungen der DDR und zeichnet Niebergalls persönlichen Widerstand nach. Das Buch hält zudem ein seltenes juristisches Nachspiel fest – einen der wenigen Fälle, in denen ein ehemaliger DDR-Funktionär zur Rechenschaft gezogen wurde. Es ist zugleich ein historisches Zeugnis und eine Hommage an alle, die sich dem Regime widersetzten.






