Volkswagens riskante Wende: Zwei Betriebssysteme, ein Joint Venture und wachsende Zweifel

Goran Bolnbach
Goran Bolnbach
2 Min.
Das Innere eines Volkswagen e-Golf, mit einem Lenkrad, Armaturenbrett, Bildschirmen, Knöpfen, Sitzen und Glastüren, mit Blick auf andere Autos, Gebäude, Bäume, Pfosten und den Himmel durch die Glastüren.Goran Bolnbach

Volkswagens riskante Wende: Zwei Betriebssysteme, ein Joint Venture und wachsende Zweifel

Volkswagen überarbeitet seine Software- und Plattformstrategie im Rahmen einer umfassenden Kostensenkungsoffensive. Der Autobauer plant die Entwicklung zweier separater Betriebssysteme – eines für den chinesischen Markt und ein weiteres für den globalen Einsatz – in Partnerschaft mit dem US-amerikanischen Elektroautohersteller Rivian. Doch Verzögerungen und technische Hürden haben innerhalb des Konzerns bereits Bedenken ausgelöst.

Die Umstrukturierung umfasst zudem die Verlegung zentraler Funktionen, darunter die Softwareentwicklung, zurück in die Konzernzentrale nach Wolfsburg. Dieser Zentralisierungsansatz hat unter Mitarbeitenden und politischen Akteuren eine Debatte ausgelöst, da einige befürchten, dass dadurch die Mitbestimmung der Belegschaft in den Markenbereichen geschwächt werden könnte.

Die Zusammenarbeit mit Rivian, die ursprünglich für die gemeinsame Entwicklung einer E-Auto-Plattform angekündigt wurde, hat sich mittlerweile zu einem offiziellen Joint Venture namens RV Tech weiterentwickelt. Volkswagen wird bis 2028 bis zu 6 Milliarden US-Dollar investieren und sich damit einen Anteil von etwa 12 Prozent an Rivian sichern. Erste Fortschritte gab es im Dezember mit einer Präsentation von Softwarefunktionen für das geplante Modell ID.1, dessen Markteinführung für 2027 vorgesehen ist. Doch Integrationsprobleme, divergierende US- und EU-Standards sowie ungelöste Softwarefehler bremsen die Entwicklung aus. Einige Ingenieure von Audi und Volkswagen bezeichnen die Software als "Blackbox", die vor der vollständigen Implementierung noch weiter überarbeitet werden müsse.

Die umfassende Neuausrichtung steht im Einklang mit der Strategie 2030 von Volkswagen, die auf schlanke Prozesse, kürzere Entwicklungszeiten und den Abbau von Doppelstrukturen abzielt. Die Zentralisierung der Software- und Plattformentwicklung in Wolfsburg markiert einen Kurswechsel weg von den bisherigen, dezentralen Ansätzen früherer Vorstandsvorsitzender. Doch der Schritt stößt nicht überall auf Zustimmung. Betriebsräte und regionale Politiker haben Vorbehalte geäußert und warnen davor, dass die Mitbestimmung der Belegschaft in den einzelnen Marken an Einfluss verlieren könnte.

Die Diskussion um mehr Zentralisierung ist bei Volkswagen nicht neu. Frühere Führungen pendelten stets zwischen stärkerer Steuerung aus der Konzernspitze und größerer Eigenständigkeit der Teilbereiche. Der aktuelle Vorstoß könnte jedoch das lang etablierte Mitbestimmungsmodell des Konzerns verändern, in dem die Belegschaft traditionell erheblichen Einfluss auf Entscheidungen in den Markenbereichen hat.

Volkswagens Plan für zwei separate Betriebssysteme mit Rivian steht vor technischen und logistischen Herausforderungen und birgt das Risiko von Verzögerungen – etwa beim ID.1. Gleichzeitig hat die Verlegung der Softwareentwicklung nach Wolfsburg internen Widerstand ausgelöst. Ob es dem Konzern gelingt, seine Effizienzziele bis 2030 zu erreichen und dabei das bewährte Mitbestimmungsmodell zu bewahren, wird sich an den Folgen dieser Veränderungen zeigen.

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