Volkswagen streicht eine halbe Million Autos – und setzt auf radikale Sparmaßnahmen
Antoinette HettnerVolkswagen streicht eine halbe Million Autos – und setzt auf radikale Sparmaßnahmen
Volkswagen plant massive Kürzungen in der europäischen Produktion und strebt eine Reduzierung um bis zu 500.000 Fahrzeuge pro Jahr an. Diese Maßnahme entspricht fast der Kapazität von zwei vollständigen Werken und erfolgt vor dem Hintergrund von Streitigkeiten über die hohen Kosten in vier deutschen Standorten des Konzerns. Vorstandschef Oliver Blume hat insbesondere die Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm als besonders teuer im Betrieb genannt.
Die vier unter die Lupe genommenen Standorte fallen durch überdurchschnittlich hohe Betriebskosten auf. Bis 2025 sollen die Kosten in Zwickau auf unter 4.500 Euro pro Fahrzeug sinken, während Emden voraussichtlich rund 1.000 Euro höher liegen wird. Zum Vergleich: Das Porsche-Werk in Leipzig liegt bereits bei über 6.500 Euro pro Auto, und die Audi-Produktion in Neckarsulm bewegt sich bei etwa 6.200 Euro pro Fahrzeug. Dennoch gelten einige Volkswagen-Werke nach wie vor als kosteneffizienter als die Produktionsstätten von Porsche.
Doch das Kernproblem ist nicht allein die Kostenfrage – es fehlt vor allem an zukünftigen Produktionsaufträgen. Interne Prognosen deuten darauf hin, dass diese Werke möglicherweise nur noch bis in die frühen 2030er-Jahre Fahrzeuge herstellen werden. Blume lehnt Werksschließungen als „schlechteste und teuerste Option“ ab und setzt stattdessen auf Partnerschaften, um die Überkapazitäten abzubauen.
Währenddessen haben die Premiummarken Audi und Porsche größere Sparmaßnahmen bisher vermieden. Keine der beiden Marken teilt sich einen deutschen Produktionsstandort, und Maßnahmen wie die Streichung von Pausen wurden bei ihnen nicht umgesetzt. Porsche blieb von den Spardebatten weitgehend verschont – nicht zuletzt wegen der individuellen Fertigung von Modellen wie dem 911.
Volkswagens Plan, die Produktion um eine halbe Million Fahrzeuge jährlich zu kürzen, spiegelt die grundlegenden Herausforderungen in den deutschen Werken wider. Während einige Standorte vor ungewisser Zukunft stehen und andere von Kürzungen verschont bleiben, setzt der Konzern nun auf Kooperationen statt auf Werksschließungen. Die Entscheidung wird die Produktionsstrategie von Volkswagen weit über das nächste Jahrzehnt hinaus prägen.






