Volkswagen kämpft mit Aktiencrash und strategischen Fehlern nach Gewinnwarnung
Antoinette HettnerVolkswagen kämpft mit Aktiencrash und strategischen Fehlern nach Gewinnwarnung
Volkswagen hat ein schwieriges Jahrzehnt hinter sich – der Aktienkurs des Konzerns ist um mehr als die Hälfte eingebrochen. Während der deutsche DAX-Index im gleichen Zeitraum um 104 Prozent stieg, verlor der Autokonzern 52,6 Prozent an Börsenwert. Aktuelle Gewinnwarnungen und strategische Fehlentscheidungen haben den Druck auf Europas größten Automobilhersteller weiter erhöht.
Die Probleme des Unternehmens traten deutlicher zutage, nachdem Volkswagen eine Gewinnwarnung über 5 Milliarden Euro herausgab. Zuvor hatte bereits Porsche, die Luxusmarke des Konzerns, vor einer nachlassenden Nachfrage gewarnt. Der Gewinn pro Aktie (EPS) lag 2024 bei 21,36 Euro, doch die Prognosen für 2025 deuten auf einen weiteren Rückgang auf 15,90 Euro hin.
Trotz seiner Größe bleibt Volkswagen bei der Marktkapitalisierung weit hinter der Konkurrenz zurück. Mit einer Bewertung von 45,2 Milliarden Euro ist der Konzern nur ein Bruchteil von Teslas 1,4 Billionen US-Dollar wert. Dennoch verkauft Volkswagen in Europa mehr Elektroautos als der US-Konzern. 2023 erzielte der deutsche Hersteller einen Umsatz von 324 Milliarden Euro – mehr als das Dreifache von Teslas 97,7 Milliarden US-Dollar. Auch beim Gewinn lag Volkswagen mit 10,7 Milliarden Euro vor Tesla, das 8,4 Milliarden US-Dollar verbuchte.
Analysten sehen einen zentralen Grund für die Schwierigkeiten im späten Einstieg in den Elektroauto-Markt. Volkswagen baute seine Produktionskapazitäten aus, ohne die Kundennachfrage ausreichend zu prüfen, und sitzt nun auf zu hohen Lagerbeständen. Die Vorzugsaktie des Konzerns wird mittlerweile mit einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 5,64 für 2025 und nur 3,89 für 2026 gehandelt.
Hinzu kommen jüngste Führungswechsel, die die Lage zusätzlich verkomplizieren. Niedersachsen, größter Volkswagen-Aktionär, entsandte Vertreter der Grünen in den Aufsichtsrat – ein Zeichen für den wachsenden politischen Einfluss auf die Unternehmensstrategie.
Die finanziellen Herausforderungen treffen Volkswagen in einer Phase, in der die Aktie im Vergleich zu Mitbewerbern unterbewertet bleibt. Die Gewinnwarnung und die sinkenden EPS-Prognosen deuten auf anhaltende Schwierigkeiten hin, sich an die Marktveränderungen anzupassen. Zwar bleiben Umsatz und Elektroauto-Absatz in Europa stark, doch die Kluft bei der Marktkapitalisierung zeigt, wie tief die Sorgen der Anleger sitzen.






