TI-Anbindung für Therapeuten: Deutschland verschiebt Frist auf Oktober 2027
Antoinette HettnerTI-Anbindung für Therapeuten: Deutschland verschiebt Frist auf Oktober 2027
Deutschland hat die Frist für Therapeuten und Anbieter medizinischer Hilfsmittel zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) des Landes verschoben. Ursprünglich für Anfang 2026 vorgesehen, gilt nun der 1. Oktober 2027 als neuer Stichtag. Die Verlängerung folgt anhaltenden Problemen bei digitalen Gesundheitssystemen und finanziellen Engpässen.
Die Fristverlängerung erfolgt nach wiederholten Rückschlägen bei der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Ein zentrales Problem war die verschobene Einführung des elektronischen Rezepts für Therapie- und Heilmittel. Das E-BtM-System, das eigentlich am 1. Juli 2025 starten sollte, wurde aufgrund unzureichender Mittel beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aufgeschoben. Weitere Hindernisse sind zersplitterte IT-Strukturen, mangelnde Interoperabilität zwischen den Systemen sowie begrenzte Erfolge früherer Projekte wie NADI.
Von der neuen Zeitplanung sind rund 90.000 Leistungserbringer betroffen. Die Verzögerung trifft auch Unternehmen wie Cherry, einen IT-Dienstleister, der mit Millionenverlusten rechnet. Um die Einbußen auszugleichen, treibt das Unternehmen hochmargige Ersatzprojekte voran und bewirbt seine Softwarelösungen stärker.
Die Reaktionen der Branche fallen gemischt aus. Der Bundesverband selbstständiger Physiotherapeuten begrüßt die Fristverlängerung und fordert mehr Zeit, um die Infrastruktur zu verbessern. Gleichzeitig wirbt das Deutsche Ärzteabrechnungszentrum für eine freiwillige frühzeitige TI-Anbindung, um den Übergang zu erleichtern.
Die neue Frist gibt den Leistungserbringern 21 zusätzliche Monate zur Vorbereitung. Behörden und Verbände gewinnen Zeit, um technische und finanzielle Hürden zu überwinden. Zudem ermöglicht die Verzögerung eine stärkere Einbindung von Ärzten bei der Entwicklung von gematik-Lösungen vor der vollständigen Umsetzung.






