31 May 2026, 12:27

Theodor Lessings mutiger Kampf gegen Faschismus und sein tragisches Ende

Wie Fliegen

Theodor Lessings mutiger Kampf gegen Faschismus und sein tragisches Ende

Theodor Lessing, ein jüdischer Philosoph und Pazifist, sah sich bereits lange vor Hitlers Machtübernahme dem erbitterten Widerstand der deutschen Ultra-Rechten ausgesetzt. Seine scharfen Kritiken an konservativen Eliten und seine Warnungen vor dem Faschismus machten ihn zum Ziel. Anfang 1933 floh er in die Tschechoslowakei – nur um wenige Monate später, im August desselben Jahres, ermordet zu werden.

Geboren in eine Familie mit Verbindungen zum Aufklärer Gotthold Ephraim Lessing, teilte Theodor dessen Hingabe an die Vernunft und eine kompromisslose Kritikfähigkeit. Seine 1925 geäußerte Mahnung „Nach der Null kommt immer ein Nero“ prophezeite die Gefahren des Autoritarismus und zog damit den Zorn nationalistischer Kreise in Deutschland auf sich. Rechtsextremisten starteten eine gnadenlose Hetzkampagne, die ihn schließlich aus seiner außerordentlichen Professur in Hannover drängte.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Lessing jedoch schwieg nicht. Nach dem Verlust seiner akademischen Stellung wandte er sich dem Journalismus zu und schrieb über Psychologie, Literatur und gesellschaftliche Strömungen. Seine Berichterstattung über den Prozess gegen den Serienmörder Fritz Haarmann und dessen Komplizen Hans Grans im Jahr 1924 entlarvte die Heuchelei bürgerlicher „Experten“. Diese und 60 weitere Artikel, ursprünglich im Prager Tagblatt erschienen, sind nun in der Sammlung Natur und Ethik versammelt – herausgegeben und kommentiert von Rainer Marwedel.

Marwedel setzt sich seit Jahrzehnten für die Bewahrung von Lessings Erbe ein. Seine 1990 veröffentlichte Biografie über den Philosophen wurde mit dem Carl-von-Ossietzky-Preis ausgezeichnet. 2022 gab er gemeinsam mit seiner Partnerin eine weitere Sammlung von Lessings Schriften aus dem Jahr 1924 heraus und sicherte so dessen Stimme für die Nachwelt – trotz der Risiken, denen sie selbst ausgesetzt waren.

Lessings Ermordung 1933 beendete ein Leben, das dem Kampf gegen Ungerechtigkeit und der Verteidigung der Vernunft gewidmet war. Seine Werke, heute sorgfältig von Marwedel aufbereitet, bleiben ein Zeugnis seines intellektuellen Mutes. Die neue Sammlung Natur und Ethik bietet Leser:innen erneut die Möglichkeit, sich mit seinem vielseitigen Denken auseinanderzusetzen.

Quelle