NDR trennt sich von Julia Ruhs – und löst damit eine Medien-Debatte aus
Goran BolnbachNDR trennt sich von Julia Ruhs – und löst damit eine Medien-Debatte aus
Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat die Moderatorin Julia Ruhs als alleinige Gastgeberin seiner Reportagereihe "Klar" abberufen. Die Entscheidung folgt einer öffentlichen Debatte über ihre politischen Ansichten, die sie selbst als "konservativ-bürgerlich" bezeichnet. Ruhs wird die Sendung weiterhin für den Bayerischen Rundfunk (BR) präsentieren, während der NDR Tanit Koch als ihre Nachfolgerin bestimmt hat.
Der Schritt löste Reaktionen in Medienkreisen aus, darunter Kritik von Oliver Welke (ZDF), der dem NDR vorwarf, übervorsichtig zu handeln.
Julia Ruhs stieg innerhalb von nur drei Jahren von einer BR-Freiwilligen zur Moderatorin auf. Bekanntheit erlangte sie nach einem Interview mit dem Magazin "Cicero" im Jahr 2024, in dem sie sagte: "Selbst einige meiner Freunde haben durchaus rechtskonservative Ansichten." Dieser Ausschnitt wurde kürzlich wieder aufgegriffen, als Oliver Welke ihn in seiner ZDF-"heute show" thematisierte. Welke argumentierte, der NDR hätte Ruhs behalten sollen, und meinte: "Wir müssen alle mehr aushalten können." Ruhs selbst nannte den Beitrag später auf X"etwas gemein, aber sehr witzig".
Die NDR-Redaktion hatte alle drei Folgen, die Ruhs für den Sender moderierte, abgesegnet. Dennoch wurde sie im März 2026 von Kritikern, darunter dem BR-Ratsmitglied Dipama, als "rassistisch, rechts und spalterisch" bezeichnet. Die Auseinandersetzung eskalierte zu einem öffentlichen Streit zwischen NDR und BR über die Meinungsfreiheit. Die Kabarettistin Idil Baydar (bekannt als "Jilet Ayse") verteidigte hingegen die NDR-Entscheidung im ZDF und bezeichnete Ruhs' Herangehensweise als "Populismus und schlechten Journalismus".
Trotz der Kontroverse bleibt Ruhs bei der BR-Ausgabe von "Klar", während Tanit Koch die NDR-Folgen übernimmt. Aktuelle Äußerungen deuten nicht darauf hin, dass Ruhs seit ihrem Aufstieg beim BR ihre politische Haltung geändert hat.
Die Entscheidung bedeutet, dass Ruhs "Klar" künftig nur noch für den BR moderiert, während Koch die NDR-Ausgaben verantwortet. Die Debatte zeigt die anhaltenden Spannungen um politische Neutralität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der NDR betont damit seine redaktionellen Maßstäbe, während Ruhs ihre Karriere unter einem anderen Sender fortsetzt.






