Millionen-Grab in Wangerland: Wie ein Thalasso-Projekt den Tourismus an den Rand des Ruins trieb
Goran BolnbachMillionen-Grab in Wangerland: Wie ein Thalasso-Projekt den Tourismus an den Rand des Ruins trieb
Ein großes Tourismusprojekt in Wangerland, Niedersachsen, ist unter finanzieller Belastung gescheitert. Das Thalasso-Meeresbad, das wohlhabendere Gäste anlocken sollte, trieb die Kosten weit über die ursprünglichen Schätzungen hinaus. Nun steht die kommunale Wangerland Touristik GmbH (WTG) vor der Insolvenz, und zentrale Vermögenswerte werden veräußert, um die Schulden zu begleichen.
Gegen den ehemaligen Geschäftsführer des Unternehmens wird zudem wegen des Verdachts auf Finanzvergehen ermittelt.
Das Thalasso-Meeresbad war als Projekt konzipiert, um den Tourismus in Wangerland auf eine anspruchsvollere Kundschaft auszurichten. Die anfänglichen Kalkulationen beliefen sich auf 8,8 Millionen Euro. Bis zur Fertigstellung waren die Ausgaben jedoch auf etwa 23 Millionen Euro explodiert – fast das Dreifache des ursprünglichen Budgets.
Die finanzielle Last erwies sich als untragbar. Im Sommer 2025 meldete die WTG Insolvenz an, da sie die wachsenden Schulden nicht mehr bewältigen konnte. Der Zusammenbruch hat eine tiefe Krise im regionalen Tourismussektor ausgelöst.
Einer der größten und beliebtesten Campingplätze Deutschlands, der Campingplatz Schillig, steht nun zum Verkauf. Zum Paket gehören alle Betriebsverträge, Pachtverträge sowie die bestehende Ausstattung. Gesucht werden Käufer, die die finanzielle Stabilität des Geländes sichern sollen.
In der Nähe musste auch die Friesland-Therme in Horumersiel schließen. Steigende Betriebskosten zwangen zur Schließung, und die Anlage wird nun veräußert. Ein weiteres überdachtes Wellenbad in der Region, das unter ähnlichem finanziellen Druck steht, droht dasselbe Schicksal.
Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Ermittlungen gegen den ehemaligen WTG-Geschäftsführer eingeleitet. Die Vorwürfe umfassen die verzögerte Einleitung eines Insolvenzverfahrens, Vertrauensbruch und Verstöße gegen die Buchführungspflichten. Stand 25. Februar 2026 wurden noch keine offiziellen Anklagen erhoben, doch die Untersuchungen laufen weiter.
Das Scheitern des Thalasso-Meeresbads hat die Tourismusbranche in Wangerland in Aufruhr versetzt. Mehrere zentrale Einrichtungen, darunter Campingplätze und Thermen, werden nun verkauft, um die Verluste auszugleichen. Gleichzeitig hält die rechtliche Prüfung der WTG-Finanzführung an – die Ermittler untersuchen, ob Fehlmanagement eine Rolle beim Kollaps spielte.






