Marathon-Theater: Warum deutsche Bühnen auf siebenstündige Stücke setzen
Goran BolnbachMarathon-Theater: Warum deutsche Bühnen auf siebenstündige Stücke setzen
Deutsches Theater und die Tradition der Marathon-Aufführungen
Das deutsche Theater ist seit langem für seine ausufernden Inszenierungen bekannt. Beim diesjährigen Berliner Theatertreffen, einem der renommiertesten Festivals des Landes, stehen erneut ultra-lange Stücke auf dem Programm – darunter Wallenstein: Ein Fest des Krieges in sieben Gängen, ein siebenstündiges Epos der Münchner Kammerspiele.
Die Tradition der ausgedehnten Vorstellungen reicht Jahrzehnte zurück. In den 1970er- und 1980er-Jahren ermöglichte der Aufstieg des Regietheaters den Künstlern größere Freiheiten – und damit auch längere Stücke. Robert Wilsons Einstein on the Beach, 1976 uraufgeführt, dauerte vier bis fünf Stunden. Luk Percevals Schlachten beim Salzburger Festspiel 1999 setzte noch eines drauf: zwölf Stunden reine Spielzeit.
Auch in jüngerer Zeit hält der Trend an. 2023 brachte das Schauspielhaus Bochum Die Brüder Karamasow in einer siebenstündigen Fassung auf die Bühne. Die Berliner Volksbühne zeigt nun eine Neuinszenierung von Peer Gynt, dessen erste Version einst acht Stunden umfasste. Nora Hertlein-Hull, Leiterin des Theatertreffens, erlebte solche Mammutprojekte erstmals 2007 – ein Schlüsselmoment für ihr Verständnis von Theater.
Die Pandemie unterbrach diese Entwicklung kurzzeitig. Während und nach den Lockdowns setzten viele Häuser auf kürzere, durchgehende Stücke ohne Pause. Doch der Hang zu opulenten Langzeitformaten ist zurückgekehrt. Der Deutsche Bühnenverein erfasst zwar keine offiziellen Statistiken zu Spieldauern, doch die Festivalauswahlen deuten darauf hin, dass das Format nach wie vor gefragt ist.
Das diesjährige Theatertreffen unterstreicht einmal mehr die deutsche Vorliebe für theatralische Ausdauer. Mit Produktionen wie Wallenstein und dem anstehenden Peer Gynt können sich Zuschauer auf immersive, ganztägige Erlebnisse einstellen. Das Festival zeigt, wie ausgedehnte Spielzeiten das zeitgenössische Theater in Deutschland prägen.






