Lagardes Dreistufenplan: Wie die EZB gegen Inflation und Energiekrise kämpft
Birte SchülerLagardes Dreistufenplan: Wie die EZB gegen Inflation und Energiekrise kämpft
EZB-Präsidentin Christine Lagarde skizziert Dreistufenplan gegen wirtschaftliche Folgen des Iran-Konflikts und explodierende Energiepreise
Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, hat einen dreigliedrigen Plan vorgelegt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts und der stark gestiegenen Energiepreise zu bewältigen. Auf einer Konferenz der EZB in Frankfurt warnte sie, dass die aktuellen Ölpreise nahe dem 95. Perzentil der Erwartungen lägen – weit über dem normalen Niveau. Die drastischen Prognosen der Bank sagen nun anhaltend hohe Inflation voraus und schüren die Angst vor einer tieferen Rezession, sofern keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Lagardes erster Ansatz sieht vor, den Energieschock zu ignorieren, falls er nur kurzfristig und begrenzt ausfällt. Sie argumentierte, dass geldpolitische Reaktionen aufgrund von Verzögerungen bei der Umsetzung zu spät kämen und daher unwirksam oder sogar schädlich sein könnten.
Der zweite Teil ihrer Strategie zielt auf ein Szenario ab, in dem die Inflation das EZB-Ziel deutlich, aber vorübergehend übersteigt. In diesem Fall wären moderate Anpassungen – etwa schrittweise Zinserhöhungen – gerechtfertigt. Den ungünstigen Prognosen der Bank zufolge, die mit den Markterwartungen übereinstimmen, würde die Wirtschaft des Euroraums bis Ende 2026 stagnieren, bevor sich 2028 eine langsame Erholung abzeichnet. Ein stärkerer Energieschock könnte die Region sogar in eine leichte Rezession stürzen.
Ihr dritter und entschlossenster Schritt greift, wenn sich die Inflation verfestigt und sich weit vom Ziel entfernt. Dann würde die EZB konsequent und nachhaltig handeln, um zu verhindern, dass die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten. Im schlimmsten Fall könnte dies bedeuten, den Einlagezinssatz von derzeit 2 % bis Mitte 2027 auf 2,5 % anzuheben.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane verglich die Entscheidungsfindung der Bank mit einem Probit-Modell – einem statistischen Instrument, das bewertet, ob die Lage lediglich schlecht, ernsthaft problematisch oder gar katastrophal ist. Lagarde unterstrich dies und betonte, wie wichtig es sei, die Krise präzise einzuordnen, bevor man eine Reaktion wählt.
Die Ölpreise haben bereits die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten. Einige Analysten, etwa von der Raiffeisen Bank, haben ihre Kurzfristprognosen aufgrund des Iran-Konflikts auf 150 bis 170 Dollar nach oben korrigiert. Vor der Eskalation waren die Schätzungen für Ende 2026 noch zwischen 70 und 96 Dollar angesiedelt.
Die aktuelle Strategie der EZB spiegelt die Dringlichkeit der Lage wider: Die Ölpreise befinden sich auf extrem hohem Niveau, und die Inflationsgefahren sind allgegenwärtig. Lagardes Dreistufenplan balanciert zwischen Zurückhaltung und der Bereitschaft zu entschlossenem Handeln, sollte die Inflation hartnäckig bleiben. Die nächsten Schritte der Bank hängen davon ab, wie lange die Energieschocks anhalten und ob die Inflation weiterhin über dem Zielwert verbleibt.






