05 June 2026, 16:15

Kirsten Bruhn: Vom Unfall zur Ikone des Behindertensports

Paralympische Meisterin Kirsten Bruhn wird Ehrenbürgerin

Kirsten Bruhn: Vom Unfall zur Ikone des Behindertensports

Kirsten Bruhn, eine ehemalige Paralympics-Schwimmerin, ist zu einer der einflussreichsten Stimmen im Behindertensport geworden. Ihr Weg begann lange vor dem Unfall im Jahr 1991, der ihr Leben für immer veränderte – ein Motorradunfall ließ sie von der Taille abwärts gelähmt zurück. Seither kämpft sie unermüdlich für Sichtbarkeit, Unterstützung und Anerkennung im adaptiven Leistungssport.

Bruhns Beziehung zum Schwimmen begann früh. Schon mit drei Jahren stellte ihr Vater – ein strenger Polizist – ihr ein Ultimatum: Schwimmen lernen oder mit Konsequenzen rechnen. Als jüngstes von fünf Geschwistern fühlte sie sich oft von ihren stärkeren, größeren Brüdern und Schwestern überstrahlt. Das trieb sie an, sich sowohl im als auch außerhalb des Wassers noch mehr anzustrengen.

Ihre Karriere nahm nach dem Unfall 1991 eine unerwartete Wendung. Während der Rehabilitation entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schwimmen wieder. Anders als in ihrer Kindheit trainierte sie diesmal nicht aus Pflichtgefühl, sondern mit purer Entschlossenheit – bis zu sechs Stunden am Tag. Ihre Familie, auch ihr Vater, stand ihr während der Genesung und des sportlichen Comebacks stets zur Seite.

Bruhns Einsatz zahlte sich aus: Sie gewann bei den Paralympischen Spielen zwei Gold-, drei Silber- und vier Bronzemedaillen. Doch ihr Engagement ging über den Wettkampfsport hinaus. Bei einer Krankenkasse setzte sie sich gegen diskriminierende Haltungen gegenüber Menschen mit Behinderungen ein. Bekannt für ihre Widerstandsfähigkeit und ihre ungeschönte Ehrlichkeit, nahm sie nie ein Blatt vor den Mund.

Ein Film aus Schleswig-Holstein dokumentiert ihren Einfluss auf den Behindertensport und die öffentliche Wahrnehmung. Ihr unermüdliches Engagement und ihre markante Persönlichkeit führten zu einer seltenen Ehre: Sie wurde erst als zweite Frau überhaupt zur Ehrenbürgerin des Landes ernannt.

Bruhns Vermächtnis reicht weit über ihre Medaillenerfolge hinaus. Sie verwandelte persönliche Kämpfe in eine lebenslange Mission für Gleichberechtigung im Sport. Noch heute prägt ihr Wirken, wie die Gesellschaft Behinderung, Athletik und Durchhaltevermögen sieht.

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