Jogi Löws Rücktritt beendet eine Ära des deutschen Fußballs mit Höhen und Tiefen
Silvester SeipJogi Löws Rücktritt beendet eine Ära des deutschen Fußballs mit Höhen und Tiefen
Jogi Löw ist als Bundestrainer nach der enttäuschenden EM 2020 zurückgetreten. Sein Abschied folgt auf Jahre mit wechselhaften Ergebnissen, darunter das historische Vorrunden-Aus bei der WM 2018. Mit seinem Rücktritt endet eine Ära des deutschen Fußballs unter seiner Führung.
Löw hatte das Amt nach dem WM-Triumph 2014 mit großen Ambitionen übernommen. Er sah sich selbst als prädestiniert für einen noch größeren Einfluss im Fußball und darüber hinaus. Unter seiner Leitung prägte die Mannschaft den Spitznamen Die Mannschaft und wurde zum Symbol moderner, weltoffener Werte.
Seine Amtszeit war jedoch auch von Kritik geprägt. Deutschland erlebte bei der WM 2018 das erste Vorrunden-Aus der Geschichte. Zudem ließ Löw Mesut Özil im Kader, obwohl sich der Spieler vor dem Turnier öffentlich mit dem türkischen Präsidenten Erdoğan solidarisiert hatte. Später äußerte der Trainer seine Frustration über die mangelnde Stabilität der Mannschaft und räumte ein, dass das Team nicht mehr stark genug sei, um um große Titel mitspielen zu können.
Abseits des Fußballs war Löw auch politisch aktiv. 2017 stimmte er in der Bundesversammlung für Frank-Walter Steinmeier bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Zudem unterstützte er offen die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und setzte sich für eine großzügige Migrationspolitik ein – eine Haltung, die ihm den Ruf eines inoffiziellen Regierungsvertreters einbrachte.
Löws Vermächtnis umfasst sowohl Erfolge als auch Kontroversen. Sein Team feierte mit dem Rekord-Sieg im WM-Auftaktspiel 2022 einen Höhepunkt. Doch seine letzten Jahre waren von Inkonsistenz und öffentlicher Kritik an seiner Führung geprägt.
