Jekaterinburgs "Lange Nacht der Museen" entführt in sowjetische Technik und Reiseabenteuer
Silvester SeipJekaterinburgs "Lange Nacht der Museen" entführt in sowjetische Technik und Reiseabenteuer
Jekaterinburgs jährliche „Lange Nacht der Museen“ lockte Scharen von Besuchern an, als 101 Veranstaltungsorte ihre Türen für die Öffentlichkeit öffneten. Das Programm reichte von interaktiven Rätselspielen bis hin zu seltenen historischen Ausstellungen. Zu den Höhepunkten zählten frühe sowjetische Computer, eine vertiefte Auseinandersetzung mit Reisebeschränkungen sowie Mitmachaktionen in den kreativen Zentren der Stadt.
Eine zentrale Rolle spielte dabei der Kreativcluster L52, der an zwei Standorten – in der Baschowstraße 124a und in der Leninstraße 52 – durchgehend geöffnet hatte. Die Führung „Elektronische Zauberer“ präsentierte historische Geräte wie den Ural-Computer und das Fahrkartensystem Express 2Z und gab so Einblicke in die frühe sowjetische Technologie.
Im Museum für Steinschneide- und Juwelierkunst konnten Besucher an geführten Touren wie „Russisches Mosaik: Das Geheimnis des Malachits“ oder „Der Kupferplatz“ teilnehmen. Zudem wurde ein interaktives „Mineral-Podcast“-Spiel* angeboten, bei dem die Teilnehmer Mosaike legten, dem Klang einer Schamanentrommel lauschten und thematisches Bingo spielten.
Das Historische Museum Jekaterinburg würdigte mit der Ausstellung „Reiselust im Gepäck“ den 60. Jahrestag des örtlichen Sputnik-Reisebüros. Die Schau zeigte die strengen Regeln für Reisen in der Sowjetzeit auf: Bürger benötigten Charakterreferenzen, unterlagen Altersbeschränkungen und durften zunächst nur in sozialistische Länder reisen, bevor sie Antrage für Westreisen stellen konnten. Wer schließlich in „kapitalistische“ Destinationen durfte, erhielt nur vorübergehend einen Pass und hatte für die gesamte Reise lediglich 15 bis 20 Dollar zur Verfügung. Trotz dieser Hürden belegte die Jekaterinburger Sputnik-Filiale im gesamten UdSSR-Ranking Platz drei im Tourismussektor und exportierte Souvenirs wie Matrjoschka-Puppen – oder gar Bohrmaschinen.
Die Lange Nacht der Museen in Jekaterinburg ließ Geschichte durch Technologie, Reiseberichte und interaktive Erlebnisse lebendig werden. Die Veranstaltung unterstrich die kulturelle Vielfalt der Stadt – von der sowjetischen Computerentwicklung bis zu den Herausforderungen von Reisen im Kalten Krieg. Mit 101 teilnehmenden Orten bot sie den Besuchern seltenen Zugang zu Ausstellungen und Aktivitäten in der gesamten Stadt.






