Gasreserven auf Rekordtief: Deutschland steht vor einer Energiekrise bis 2026
Goran BolnbachOlaf Lies fordert Maßnahmen gegen hohe Energiepreise - Gasreserven auf Rekordtief: Deutschland steht vor einer Energiekrise bis 2026
Deutschlands Gasreserven sinken bis Mitte März 2026 drastisch auf rund 20 Prozent – weniger als die Hälfte des Vorjahreswerts. Mit dem nahenden Winter wachsen die Sorgen um die Energieversorgungssicherheit, was bei Politikern zu dringlichen Handlungsaufrufen führt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies warnte vor einer Verschärfung der Krise, sollten nicht bald Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Lies verwies auf den besorgniserregenden Rückgang der Gasvorräte, die aktuell deutlich unter dem für Ende März üblichen Tiefststand von 23 Prozent liegen. Die Bundesregierung hat ein verbindliches Ziel von 70 Prozent Füllstand bis November 2026 vorgegeben – was bedeutet, dass die Betreiber etwa 125 Terrawattstunden nachfüllen müssen, die Hälfte der aktuellen Kapazität, zu geschätzten Kosten von 6,25 Milliarden Euro.
Der Ministerpräsident betonte die Notwendigkeit, die Gasbezüge Deutschlands zu diversifizieren, und setzte sich für erhöhte Importe aus Norwegen und den Niederlanden ein. Zudem forderte er den Bau eines dritten Flüssigerdgas-(LNG)-Terminals in Wilhelmshaven, um die Abhängigkeit von instabilen Bezugsquellen zu verringern. Mit Blick auf die Atomkraft kritisierte Lies erneute Debatten über eine Rückkehr zur Kernenergie – diese könnten sowohl das Vertrauen der Bevölkerung als auch die industrielle Planung destabilisieren.
Bei den Spritpreisen räumte Lies ein, dass die wachsende Verärgerung über die hohen Kosten an den Tankstellen nachvollziehbar sei. Er forderte die Mineralölkonzerne auf, entlastende Maßnahmen zu ergreifen, und rief die Bundesregierung dazu auf, alle möglichen Lösungsansätze zu prüfen. Langfristig setzt er vor allem auf erneuerbare Energien, insbesondere auf Offshore-Windparks, gab jedoch zu, dass kurzfristige Herausforderungen bestehen bleiben.
Lies warnte zudem, dass die Befürchtungen vor Lieferengpässen im Falle eines möglichen Konflikts mit dem Iran nicht unbegründet seien. Die Behörden müssten sich auf worst-case-Szenarien vorbereiten, um weitere Versorgungsschocks zu vermeiden.
Deutschland steht nun vor einem Wettlauf gegen die Zeit, um die Gasreserven vor dem Winter aufzufüllen. Das Regierungsziel von 70 Prozent Speicherkapazität erfordert massive Investitionen und eine eng abgestimmte Koordination. Gleichzeitig deutet Lies' Einsatz für den LNG-Ausbau und erneuerbare Energien auf einen grundlegenden Wandel in der deutschen Energiestrategie hin.






