17 June 2026, 16:04

Fußball-WM entfacht in Deutschland eine seltene Welle der Vaterlandsliebe

Lieber 'Party-Patriotismus' als kein Patriotismus

Fußball-WM entfacht in Deutschland eine seltene Welle der Vaterlandsliebe

Deutschland und der schwierige Umgang mit offener Vaterlandsliebe

An nationalen Feiertagen fällt es Deutschland oft schwer, Patriotismus offen zu zeigen. Doch alle vier Jahre entfacht die Fußball-Weltmeisterschaft eine Welle nationaler Begeisterung – plötzlich wehen Fahnen, und die Landesfarben sind überall präsent. Dieser Stimmungswandel hat sowohl Filmemacher als auch politische Beobachter auf den Plan gerufen.

Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm untersuchte, wie Fußball-Patriotismus das allgemeine Nationalgefühl prägen kann. Regisseur Juri Sternburg argumentierte, dass diese Art von „positivem Party-Patriotismus“ das Zeigen von Fahnen, Transparenten und nationalen Symbolen normalisiere. Gleichzeitig warnte der Film jedoch davor, dass solche Äußerungen indirekt rechtsextreme Gruppen wie Pegida oder die AfD stärken könnten.

Politiker tun sich seit jeher schwer mit öffentlicher Vaterlandsliebe. 2013 soll Angela Merkel bei einer Wahlparty dem damaligen Generalsekretär Hermann Gröhe eine Deutschlandfahne aus der Hand genommen haben. Die damalige Bundeskanzlerin mied in ihren Reden bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“.

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Für viele Bürger bleibt die WM eine seltene Gelegenheit, ungezwungene nationale Euphorie zu erleben. Eine Mutter berichtete, ihr jüngster Sohn habe vor dem Turnier den Familienwagen mit Deutschlandfahnen geschmückt. Selbst Fußballmuffel wie der Verfasser dieses Textes schalten bei großen Turnieren die Spiele der Nationalmannschaft ein.

Die Weltmeisterschaft löst stets eine vorübergehende Welle des Patriotismus aus. Fahnen und Feiern gehören plötzlich zum Straßenbild – auch wenn die politische Klasse weiterhin zurückhaltend bleibt. Für viele ist es eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen nationale Identität offen und ohne Vorbehalte gelebt wird.

Quelle