Erlangen verbietet "sexistische" Partyhits beim Bergkirchweih – Künstler protestieren
Antoinette HettnerErlangen verbietet "sexistische" Partyhits beim Bergkirchweih – Künstler protestieren
Erlangens Stadtverwaltung stufte mehrere Party-Klassiker als „sexistisch“ ein und rief Wirte auf, sie beim diesjährigen Bergkirchweih-Fest nicht zu spielen. Der Schritt folgt einer Prüfung durch Grünen-Politikerinnen nach Beschwerden über aggressives Verhalten, das mit bestimmten Songtexten in Verbindung gebracht wird. Fast eine Million Besucher werden zu dem Fest erwartet, das in diesem Jahr unter dem Motto „diskriminierungsfreies Feiern“ steht.
Die Debatte begann bereits 2021, als der Stadtrat – mit Stimmen von CSU, Linke und SPD – Lieder mit „gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit“ beim Bergkirchweih verurteilte. Zwei Jahre später untersuchten die Gleichstellungsbeauftragten der Grünen, Reka Lörincz und Nora Hahn-Hobeck, „problematische Partysongs“, nachdem Frauen berichtet hatten, sich durch Texte unwohl zu fühlen, die aggressives männliches Verhalten fördern. Heraus kam eine Schwarze Liste mit Titeln wie Skandal im Sperrbezirk sowie Liedern von Künstlern wie Mickie Krause und Peter Wackel.
Peter Wackel, dessen Hit Joana die Zeile Du geile Sau enthält, kritisierte die Einschränkungen scharf und behauptete, viele Künstler hätten „null Bock“, in Deutschland aufzutreten. Jürgen Thurnau, Frontmann der Spider Murphy Gang, verglich die Situation mit Zensur in der DDR. Unterdessen zeigten sich lokale Wirte skeptisch gegenüber der Liste und fragten sich, wie sie sich auf die ausgelassene Stimmung des Festes auswirken werde.
Die Stadt betont, die Maßnahmen dienten einem respektvollen Miteinander. Doch mit fast einer Million erwarteten Gästen bleibt die Diskussion über Tradition und moderne Werte umstritten. Die Schwarze Liste gilt weiterhin, während das Bergkirchweih-Fest näher rückt. Wirte stehen unter Druck, sich daran zu halten – doch der Widerstand der Künstler und die Skepsis der Gastwirte halten an. Ob das Fest seine ausgelassene Atmosphäre mit dem Anspruch auf Inklusivität vereinen kann, wird sich zeigen.






