09 June 2026, 10:27

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut: Kulturstreit um Erinnerung und Identität

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgebaut: Kulturstreit um Erinnerung und Identität

Am 4. Juni wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow abgebaut – eine Maßnahme, die der Stadtrat beschlossen hatte. Die Entscheidung löst kontroverse Diskussionen aus: Während die einen darin einen Schritt zur Entkolonialisierung sehen, verteidigen andere Bulgakows Verbindung zur ukrainischen Kultur. Zu den Kritikern gehört die Schachspielerin Olga Popadjuk, die den Abriss als „sinnlos“ bezeichnete und das literarische Erbe des Autors würdigte.

Die Statue stand einst vor dem Bulgakow-Museum am Andrejas-Steig, einem Ort, der eng mit dem Leben des Schriftstellers verbunden ist. Der Kiewer Stadtrat hatte ihre Entfernung im Rahmen umfassender Bestrebungen angeordnet, Symbole mit Bezug zum russischen Imperialismus zu beseitigen – eine Linie, die vom Ukrainischen Institut für Nationale Erinnerung vorgegeben wird.

Popadjuk, eine entschiedene Gegnerin der Entscheidung, betonte Bulgakows tiefe Verwurzelung in der Ukraine. In Kiew geboren, arbeitete er als Arzt in der Region, bevor er als Romanautor Berühmtheit erlangte. Mit 14 las sie Der Meister und Margarita und beschrieb das Buch als prägendes Erlebnis.

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In ihrer Kritik argumentierte Popadjuk, Bulgakows Werke hätten die zerstörerische Natur der sowjetischen Herrschaft entlarvt. Zum Abschluss zitierte sie den Autor selbst: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Ihre Worte spiegeln die gespaltene Haltung wider: Handelt es sich um die Tilgung kulturellen Erbes oder um die Abkehr von kolonialen Altlasten?

Der Abbau des Bulgakow-Denkmals hat die Debatte über Erinnerung und Identität in der Ukraine weiter angeheizt. Während die Behörden die Maßnahme als Teil der Entkolonialisierung rechtfertigen, bestehen Persönlichkeiten wie Popadjuk darauf, dass der Schriftsteller ein unverzichtbarer Teil der Kiewer Geschichte bleibt. Eine Einigung in dieser Frage ist nicht in Sicht – zumal ähnliche Fälle weiterhin für Zündstoff sorgen.

Quelle