BP und Shell setzen auf grünen Wasserstoff – trotz Rückkehr zu fossilen Energien
Silvester SeipBP und Shell setzen auf grünen Wasserstoff – trotz Rückkehr zu fossilen Energien
Zwei der größten Ölkonzerne der Welt treiben ehrgeizige Projekte für grünen Wasserstoff in Deutschland voran. BP und Shell haben trotz ihrer Rückkehr zu einer stärkeren Fokussierung auf fossile Brennstoffe Pläne für großindustrielle Anlagen angekündigt. Doch Analysten stellen infrage, ob sich diese Strategie langfristig auszahlen wird.
BP errichtet in Niedersachsen das Projekt Lingen Green Hydrogen, das ab 2027 jährlich bis zu 11.000 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren soll. Gemeinsam mit dem Ingenieursdienstleister Bilfinger baut das Unternehmen am Standort einen 100-Megawatt-Elektrolyseur. Obwohl BP seine Investitionen in Solar- und Windenergie zurückgefahren hat, bleibt Wasserstoff ein zentraler Baustein seiner Pläne für die Energiewende.
Unterdessen entwickelt Shell bei Köln das Projekt Refhyne 2, das ebenfalls 2027 den Betrieb aufnehmen soll. Die Anlage wird mit Strom aus dem Offshore-Windpark Nordsee One betrieben, wobei Shell ein Drittel der Kapazität gesichert hat. Ähnlich wie BP hat auch Shell kürzlich den Fokus wieder stärker auf Öl und Gas gerichtet, hält aber an Wasserstoff als strategische Priorität fest.
Beide Vorhaben spiegeln einen größeren Trend unter den großen Ölkonzernen wider, die ihre Wasserstoff-Investitionen gezielt in Europa – vor allem in Deutschland – bündeln. Die politische Unterstützung und die Nachfrage nach CO₂-armer Energie machen das Land zu einem attraktiven Standort für solche Projekte.
Trotz dieser Initiativen für grünen Wasserstoff hat BP Aktienrückkäufe ausgesetzt, um Gewinne stattdessen in Öl und Gas zu reinvestieren – ein Bereich, in dem die Margen nach wie vor höher sind als bei Erneuerbaren. Auch Shell setzt vorrangig auf fossile Projekte, behält Wasserstoff aber im Portfolio.
Die beiden deutschen Wasserstoff-Projekte markieren für BP und Shell wichtige Schritte, selbst während sie ihre traditionellen Energieträger ausbauen. Mit dem geplanten Start 2027 werden beide Anlagen zeigen, ob Ölmultis fossile Gewinne mit langfristigen Wasserstoff-Ambitionen in Einklang bringen können. Analysten warnen jedoch, dass dieser gemischte Ansatz in einem sich rasant wandelnden Energiemarkt Risiken birgt.






