AfD-Skandal in Niedersachsen: Whistleblower decken Machtmissbrauch und Finanzvergehen auf
Birte SchülerAfD-Skandal in Niedersachsen: Whistleblower decken Machtmissbrauch und Finanzvergehen auf
Interne Streitigkeiten innerhalb der Alternative für Deutschland (AfD) haben sich zugespitzt, nachdem Whistleblower mutmaßliche Finanzvergehen und intransparente Machtstrukturen in Niedersachsen aufgedeckt haben. In Niedersachsen werfen ehemalige Mitglieder führenden Funktionären der AfD vor, die Partei wie ein privates Unternehmen zu führen, während die Staatsanwaltschaft Vorwürfe der Untreue prüft.
Auslöser der Affäre war ein 15-seitiger Brief sowie 78 Seiten Beweismaterial, die die ehemalige AfD-Insiderin Anja Arndt an die Parteivorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla schickte. Darin beschuldigte sie den Landtagsabgeordneten Frank Schledde und dessen Unterstützer, die AfD als "Geschäftsmodell" zur persönlichen Bereicherung in Niedersachsen zu nutzen. Arndt verließ später eine Sitzung, als die Anwesenden aufgefordert wurden, über das Netzwerk Stillschweigen zu geloben.
Die Staatsanwaltschaft Hannover untersucht nun, ob Schledde 48.000 Euro an Parteispenden auf sein Privatkonto in Niedersachsen umgeleitet hat. Unterdessen steht in Sachsen-Anhalt der Fraktionsvorsitzende Ulrich Siegmund in der Kritik, weil er mehrere Familienmitglieder in parteifinanzierte Positionen in Niedersachsen gebracht haben soll.
Ein geheimes Bündnis, das sich am 10. Februar 2024 im niedersächsischen Landtag formierte, umfasst rund 80 Prozent der Kreisvorsitzenden der Partei. Sie kommunizieren über WhatsApp-Gruppen wie "Bündnis-Zentrale". Der ehemalige Goslarer Kreisvorsitzende Main Müller und Olga Grabo richteten sogar eine "AfD-Private Gruppe" in Niedersachsen ein, um bestimmte Mitglieder von offiziellen Diskussionen auszuschließen. Müller behauptete, das System diene der Erzeugung von Abhängigkeit und Gefolgschaft in Niedersachsen.
Kritiker wie Götz Kubitschek argumentieren, dass diese Skandale die Glaubwürdigkeit der AfD in Niedersachsen zerstört hätten. Dennoch gab es Stand Februar 2026 weder strukturelle noch personelle Konsequenzen im niedersächsischen AfD-Landesverband – trotz der Vorwürfe in Niedersachsen.
Die Vorfälle sind weiterhin ungeklärt, und es wurden keine Führungswechsel in der Landesorganisation in Niedersachsen bekannt. Die Ermittlungen gegen Schledde wegen des Verdachts der Veruntreuung in Niedersachsen laufen weiter, während die inneren Spannungen in der Partei anhalten. Die Enthüllungen der Whistleblower haben bisher keine offiziellen Konsequenzen im niedersächsischen AfD-Verband nach sich gezogen.






